Isabella Holzknecht : Wie und warum ich male …

Der Anreiz, ein Bild zu malen, geht für mich zumeist von Eindrücken aus, die entweder zeitlich oder räumlich weit vom Hier und Jetzt entfernt sind. Das waren in meinen Anfängen die Zeit der Klassischen Antike und der damit verbundene Mittelmeerraum.

Spätere Reisen, z.B. in die Tropen, brachten eine weitere Lösung vom Gegenständlichen und das Eintauchen in die dortige Farbenwelt.
In letzter Zeit fasziniert mich auch immer mehr die Kombination der wunderbar intakten Unterwasserwelt des Roten Meeres in Verbindung mit dem gekonnten „1001-Nacht-Stil“ der ganz neu entstandenen „Hotelpaläste“ mit ihren geheimnisvollen Palmen- und Bananengärten.

Vor Ort erarbeite ich zunächst mit Wasser vermalte Kreideskizzen, um meine Eindrücke und Ideen fest zu halten. Sie können da aber auch schon bis zum fertigen Kreidebild entwickelt werden. Auch eigene Fotos dienen mir als Anregung – oft auch beides. Dabei sind es eigentlich nur einzelne Elemente des Gesehenen/Gehörten/Gefühlten, die ich so einfange und mitnehme. Zu Hause im Atelier löse ich Elemente heraus und führe sie in einer neuen Komposition zusammen, die so nach und nach auf dem endgültigen Bildträger entsteht. Das Bild wächst jetzt in einem oft langwierigen Prozess über zahlreiche, auch transparente, Farbschichten auf die Leinwand.

Das Faszinierende am Malen für mich ?

Einerseits verwende ich zwar die Techniken des Bildaufbaues und der Komposition nach dem Vorbild der Alten Meister. Andererseits bietet aber die Freiheit, sich vom Gegenständlichen mehr oder weniger zu lösen und die noch nie dagewesene Intensität der modernen Pigmente einen neuen, ganz besonderen Reiz.

Wenn es meinem Bild gelingt, den Betrachter täglich neu zu überraschen, wenn es ihn je nach aktueller Stimmung und Situation herausfordert, immer wieder Neues darin zu suchen – und zu finden – und er so, durch das Bild, sich selbst neu zu entdecken vermag – dann ist mir das gelungen, was mir den Sinn des Malens als Kunst erklärt.